Samstag, 15. Dezember 2012

Morgen Kinder wird's was geben !

Morgen ( 16.12.) wird gebacken - für den guten Zweck! Die Vorbereitungen sind getroffen, die Helfer eingeladen und die Motivation ist groß! mind. 40 Tütchen werden wir morgen mit Keksen (Vanillekipferl, Butterplätzchen und Haferkekse) befüllen, die dann hoffentlich ihren Weg in die große, weite Welt finden und gräftig Spenden einbringen ....

Freitag, 16. November 2012

Weihnachtsspendenaktion

Bald ist wieder Weihnachten und als ich dieses Jahr die Girlsschool und das Waisenhaus in Tamale besucht habe, wurde mir einmal mehr klar, wieso es besonders wichtig ist, für die Kinder Spenden zu sammeln!  
Kurz zur Situation: Die Kinder im Waisenhaus leben unter Umständen, die ich in meiner ganzen Zeit in Ghana nichtmal ansatzweise so schlimm erlebt habe. 
Die ca. 30 Kinder im Alter von 2 Wochen bis ca. 6 Jahren liegen in 1-2m² kleinen Zimmern. 
Jedes in seinem Gitterbett. Überwiegend ohne Decke, Kissen oder Spielzeug. Diese Zimmer erinnern (aufgrund ihrer Türen mit Gitterverschlag) an Gefängniszellen. Ich war geschockt! ... Die 2-3 Hausmuttis, die dort arbeiten, so muss man leider sagen, machen ihren Job auch nun wirklich eher schlecht als recht, denn sie sind wegen des Schichtwechsels, der niedrigen Bezahlung und der vielen Kinder meistens völlig überfordert. Die Babys werden dort meist nur ein Mal am Tag gewickelt, was bedeutet, dass sie den ganzen Tag eingenässt in ihren Betten liegen. Das liegt aber nicht an der schlechten Arbeit, die die Mitarbeiter Vorort machen, sondern an den hohen Kosten, die für eine aureichende Menge an Windeln entstehen würden,  jedoch momentan einfach nicht tragbar sind! Auch an Seife, Kleidung, Spielzeug und vielen einfachen Kleinigkeiten fehlt es dem Heim und damit auch den Kindern. Viele von ihnen sind zudem auf sich selbst gestellt. Oftmals kümmern sich die etwas größeren (4-6 Jährigen) um die weinenden Babys, nehmen sie aus den Betten, schleppen sie rum oder versuchen sie am Bett zu beruhigen. 
Als ich im September mit Johanna, einer deutschen Freiwilligen, das Kinderheim besuchte, hingen uns die Kinder an den Armen und Beinen, wollten hochgehoben werden oder einfach nur kuscheln.
Die ganze Situation war so absurd, dass ich mich dazu entschied, das restliche Spendengeld dafür zu benutzen, um viele, viele Windeln, Kleidung, Spielzeug, Seife, Babypuder, Flaschen und für fast jedes Kind ein eigens Kuscheltier zu kaufen. ( Einen großen Dank nochmal an euch!! ) 
Was mich aber besonder schockiert hat ist, dass das Waisenhaus eigentlich, oder "angeblich" von SOS Kinderdorf unterstütz wird. Jedenfalls kamen eines Nachmittags ohne Vorwarnung mehrere Kameraleute plus Anhang in das Heim, um einen "Werbespot" auf widrigste Art und Weise zu drehen. Mehr möchte ich dazu hier nicht sagen^^. 
Jedenfalls hat mich das Schicksal der Kleinen sehr berührt und deswegen würde ich zum Einen für dieses Projekt die alljährliche Spendenaktion machen, zum Anderen aber auch für die Girlsschool (ebenfalls in Tamale). 
Zur Girlsschool : die Girlsschool wurde vor einiger Zeit ins Leben gerufen, um den Mädchen, aus den Umliegenden Dörfern, die meist noch weniger Chancen auf Bildung haben, eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Diese Schule, die ausschließlich Mädchen aus armen Familien, die sich das Schulgeld (0,75 Cent für 3 Monate) nicht leisten können, wurde damals eigens aus den Händen der Anwohner erbaut und unterrichtet ca. 50-70 Schülerinnen im Grundschulalter. Leider fehlt es diesem eigentlich sehr lobenswertem "Projekt" oft an Büchern, Schulmaterial für die Mädchen und sogar Lehrern. Ein Lichtblick gab es jedoch vor kurzem : durch Spenden konnten den Mädchen (die übrigens für diese Schule weder school fees noch sonstiges bezahlen müssen) Uniformen spendiert werden. Auch ein paar Stifte und Bücher kamen dazu. Trotzdem reicht es nicht. 
Eine weitere und vorerst letzte Spende würde an die 10 Waisenkinder gehen, die die Mutter einer Freundin bei sich aufgenommen hat, obwohl sie selbst eigentlich garkeine Mittel hat, um diese Kinder ausreichend zu versorgen. Auch hier fehlt es an ganz banalen Dingen, wie Schulbücher, Uniformen, Schulgeld, Essensgeld und und und! 

Also, wer von euch Lust hat mich bei der Spendenaktion zu unterstützen, der melde sich einfach bei mir. Ich werde eine bestimmte Summe an Geld auslegen, damit ihr die Zutaten der Kekse kaufen könnt. Dann heißt es nur noch - ran ans ausstechen, einpacken und für einen kleinen Obolus in der Welt verteilen =) . 

Vielen Dank auch an diejenigen, die schon fleißig Sachspenden, oder Geld gespentet haben, ihr seid super! 

Kind aus dem Kinderheim

dieses Kind ist weitaus älter, als es aussieht ....

Girlsschool

Klasse in Girlsschool

Klassenzimmer
Annika

Donnerstag, 9. August 2012

Wieso eigentlich schon wieder Ghana ?!


Tja, von Zeit zu Zeit stelle ich mir diese Frage auch. Besonders, weil mein Leben im Moment auch ohne Ghana(-Planung) stressig genug wäre!
Aber grade WEIL Deutschland mich ungemein stresst, kann Ghana ja eigentlich gar nicht schaden. Das dachte ich mir eines Morgens und drückte, ohne dabei nachzudenken den button „buchen“. Jetzt habe ich den „Salat“, oder wie man es ganz eigentlich bezeichnen dürfte „das Glück“. Denn ich bin mir so sicher, dass egal, was in Ghana auch passieren wird, ich auf jeden Fall eine derartige Grundentspannung in mir haben werde, die man hier, in Deutschland, einem hektischen, stressigen und sehr geordnetem Land niemals finden würde.
Bis dahin muss es aber leider erst einmal kommen - habe ich heute wieder ein mal gemerkt, denn die Vorbereitungen für meinen Besuch laufen nicht nur auf einen einfachen Urlaub hinaus!
Für einen Monat geht es zurück zu Freunden, Bekannten, „Familienmitgliedern“, meinen Kindern, in ein Land, was mir seit einiger Zeit nicht mehr aus den Kopf gehen mag! Ich könnte sagen, es hat einen verzaubert, es lässt einen einfach nicht mehr los. Trotz des Jahres ,das nun schon zwischen heute und meiner Wiederankunft in Deutschland vergangen ist, gab es sicherlich keinen einzigen Tag, an dem ich nicht mindestens ein Mal an Ghana denken musste. Da ist es doch ganz klar, dass es einen wieder in die weite Welt zieht - aber nicht ohne eine Mission!
Viele von euch werden es schon mitbekommen haben und einige unter euch standen mir auch schon tatkräftig dabei zur Seite. Beinahe 20 Kilo Spenden habe ich, oder ich würde glatt sagen haben Wir zusammen bekommen! Aber nicht nur Sachspenden, sondern auch Geldspenden werde ich mit nach Ghana nehmen und versuchen, sie bestmöglich einzusetzen. Meine Ghanareise besteht also aus zweierlei : Urlaub & Arbeit.
Einerseits werde ich die Sachspenden unter den Waisenkindern verteilen, von dem Geld Schulmaterial kaufen und vor allem Lovia, ein blindes Mädchen, was wir bereits seit 2010 auf ihrem Weg durch den Schulalltag begleiten, unterstützen. Trotzdem sollte aber das Reisen nicht zu kurz kommen! Aus diesem Grund werdet ihr ab übernächster Woche nicht nur von den Hilfsprojekten hören, sondern auch mein neues-altes ghanaisches Leben unter die Lupe nehmen können. Ich werde mich bemühen, während meiner Reisen so oft wie möglich von mir hören zu lassen und euch von meinen Erfahrungen und Erlebnissen berichten.

Machts gut & bis bald !

Liebe Spender !!!

Ich wollte mich hiermit noch einmal ganz herzlich für eure Großzügigkeit bedanken! 
Es ist unglaublich, wie viel doch tatsächlich zusammengekommen ist. Da ich jetzt auch noch 2 x 23 Kilo mitnehmen kann, werde ich so viel in meine Koffer packen, wie ich nur hinein bekomme! Ich hätte echt nicht gedacht, dass ihr so viel Kleidung, so tolle Spiele, Taschenlampen, Verbandszeug, Schuhe, Taschenund und und spendet. Selbst die Geldspenden sind noch einmal auf 190 Euro gestiegen! Davon habe ich bereits auch schon Federballsets und ein paar Kleinigkeiten gekauft, sodass jetzt noch ca 160Euro (das macht ca 385 Ghana Cedi) übrig bleiben, um davon in Ghana selbst noch einmal Schulmaterial zu kaufen und die Lehrer der Extra Classes zu bezahlen! 
In fast genau 2 Wochen (ein bisschen weniger) geht es los und sobald ich es geschafft habe Fotos zu machen, werde ich sie hier reinstellen, damit wir alle ein bisschen an der Freude der Kinder teilhaben können! 
Bis dahin GANZ LIEBEN DANK AN EUCH ALLE !!!!

lg Annika

Donnerstag, 26. Januar 2012

"was ich liebe ".... (Post von 2010)
...Das sind die kleinen, aber feinen Unterschiede, die einem täglich begegnen und schmunzeln lassen und machen, dass man sich glücklich fühlt. Ganz einfache Dinge, die normalerweise von wenig Wert sind, oder zumindest oft übersehen werden.
Ich kann es nicht genau benennen, dieses Glücksgefühl, aber ich weiß die Dinge, die mich zum lachen und zum weinen bringen, die mich wütend machen und die mich liebevoll stimmen, dass diese Dinge ein Teil davon sind.
Bevor ich hier hin gekommen bin hatte ich keine Vorstellungen, keine Erwatungen in dem Sinne. Jeder hat doch Erwartungen. Aber ich hatte sie irgendwie nicht. Ich war einfach in Deutschland, genauso, wie ich jetzt einfach hier bin. Und genau das ist es , was zu meinem Glück beiträgt- ich lebe einfach. Ich gehe auf in Dingen, in denen ich vorher nie vermutet hätte aufzugehen. Es sind die kleinen Dinge, nicht die großen, die glücklich machen. Das vergessen wir in unserer geld- und erfolgsorientierten Gesellschaft sehr schnell- leider.
Es ist nicht immer alles einfach, aber es ist genauso wenig immer alles schwer. Man sollte positiv denken, sei etwas noch so schlimm, nach vorne blicken. Das hab ich gelernt und es ist super!
Wenn ich morgens aufstehe und am Vortag Brot fürs Frühstück gekauft habe, dann ist es vermutlich an diesem Morgen schon gar nicht mehr da. Aber was macht das schon, wenn man sich ein zweites Mal auf sein Rad schwingt und das morgendlich Treiben in Jirapa beobachten kann? Mit Menschen sprechen kann und dabei frische Luft bekommt?!...was macht es schon aus, wenn man Messer benutzen könnte, aber einfach immer Teelöffel zum Brot bestreichen benutzt, weil es halt so ist? …oder mit den Händen isst? …Was spricht eigentlich gegen eine eiskalte Dusche am Morgen? Wieso immer warmes Wasser?
Wofür braucht die Welt dauernd Strom, wenn es abends im Kerzenschein oder draußen unterm Sternenhimmel viel gemütlicher ist? Was nützt fließend Wasser, wenn man auch keines haben kann und stattdessen einen Morgenspaziergang durch die hintersten Dörfer macht, dabei Gespräche führen kann und mit Menschen am Brunnen sitzt und sich Geschichten erzählt?
Wofür braucht jeder ein Auto, oder zwei, oder gar drei, wenn die Fahrt in die nächste Stadt zwar länger dauert, aber dafür unterhaltsamer ist?
Braucht man denn unbedingt einen Fernseher? Man kann doch auch draußen in der Sonne sitzen, lesen und sich bräunen lassen.
All diese Dinge, die wir Zuhause für selbstverständlich nehmen, sind hier keineswegs selbstverständlich. Für die einen mag es nervig sein, auf das Ein oder Andere verzichten zu müssen, oder mal zurückzustecken, aber was uns glaub ich allen bewusst geworden ist, ist die Tatsache, dass wir diese kleinen Unterschiede insgeheim lieben, denn sie machen das Leben zwar nicht grade einfacher, aber dafür lebens-/ liebenswert.
Meine Waisenkinder in Nadowli haben sogar noch weniger. Manche haben kein Zuhause, keine Familie, kein Essen oder nicht genug Wasser. Manche sind blind, es fehlt ihnen ein Arm, oder sie können nicht richtig laufen, lesen oder schreiben. Trotzdem begegnen sie mir bei jedem Treffen mit einem Lächeln und freuen sich auf den bevorstehenden Tag. Und ich lächle zurück, weil mich es glücklich macht, sie zu sehen und ihre Geschichten zu teilen, seien sie noch so erschütternd. An alle meine Spender und an alle, die vielleicht noch spenden wollen, ich und vor allem die Kinder sind euch sehr dankbar, dass ihr einen Teil von eurem Leben dazu beitragt, diesen Kindern zu helfen. Heute konnte ein Mädchen (Halbwaise), deren Schule bereits im August begonnen hatte, das erste Mal zur Schule gehen. Vor 2Wochen saß sie noch mit mir in unserm Wohnzimmer und hat geweint und sich dafür geschämt, dass sie weinte. Gestern kam sie und hat gelacht, über beide Ohren. Das war ihr persönliches Glückserlebnis. Und auch ein bisschen meins.
Ein blindes Mädchen ist in meiner Gruppe. Unter ca 140 Waisenkinder ist sie eine von zwei übriggebliebenen, die im Moment keine Schule besuchen kann, weil das Geld fehlt. Ein schlimmes Schicksal, was mich sehr berührt hat, denn ihre Mutter ist blind, ihr Vater ist tot, ihre Tante, die sich um sie kümmert ist ebenfalls blind, genauso, wie ihr Onkel. Sie hat keine Krankenversicherung und ihre Augen wurden noch nie von einem Arzt begutachtet. Trotz ihrer Behinderung kommt die ganze Familie, zu jedem Treffen und legt dabei teilweise einen weiten Weg zurück. Nächste Woche werde ich ein Bild von Loveliest auf meine Blogseite stellen. Es ist nicht im Interesse der Organisation (okay, vielleicht im gewissen Sinne schon ein bisschen) …aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meinen Beitrag lest und genauso von ihrem Schicksal berührt seid wie ich und ganz speziell für sie spenden wollt. Ich werde auch noch weitere Dinge über sie erzählen und sie zu ihrer Schule und nach hause begleiten, um zu helfen, soweit es mir möglich ist.
Ich hoffe, dass ich euch meine Erfahrungen und Gedanken in meinen Blogeinträgen gut vermitteln kann und freue mich übrigens sehr, dass ihr so fleißig meine Seite lest ;)…!

Eine Welt voller Regeln ....

...... oder
Ein Ranking der ghanaischen Knigge

Im ghanaischen Alltag gibt es so einige Regeln, die man beachten muss. Missachtet man die Eine, dann ist es nicht so schlimm, missachtet man aber die Andere, so muss man mit Folgen rechnen.
Ich habe jedenfalls gelernt, dass man so gut, wie mit jeder Geste, jeder Mimik oder Wortwahl in die Falle mindestens einer Regel tapt.
Wo fängt man bei so vielen Regeln an?!.....

Ein Ranking der ghanaischen Knigge:
  • bei älteren Menschen muss man warten, bis sie einem die Hand reichen, anderes gilt als unhöflich
  • man sagt den ältestem im Haus immer, wo man hin geht oder wenn man wieder da ist (ein Zeichen des Respekts)
  • bei Entscheidungen, die mehere Personen im selben Umfeld betreffen, wird der Landlord rangezogen. Er entscheidet letztendlich
  • grüße deine Nachbarn! (man kann hier locker 15 Minuten nur mit grüßen verbringen, dabei fragt man z.b, wie es der Familie,dem Kind, dem Haus, dem Zimmer oder der arbeit geht.)
  • wenn jemand, der dein Vater oder deine Mutter sein könnte um etwas bittet (hilfe oä. Wird es gemacht)
  • man überschlägt die Beine nicht vor älteren Menschen (eine ziehmlich alte regel)
  • man überkreuzt die Hände nicht über seinem Kopf, wenn man nicht grade jemanden verloren hat( es bedeutet, dass man sozusagen auf einer Beerdigung ist oder war),
  • genauso, wie man nicht sein Kinn auf seiner Hand abstützt ( was wir Europäer leider gerne machen)
  • man pfeift nicht in der Nacht, denn damit ruft man ungebetene Geister.
  • Man isst nicht mit der linken Hand und fasst am besten auch kein Essen für Fremde damit an, denn die linke Hand gilt als unrein
  • man knickst vor Älteren, je älter sie sind, oder angesehener, desto tiefer geht man runter (teils bis zum Boden)
  • Der Sohn hat das meiste Sagen der Geschwisterschaft und kann seine Geschwister rumschicken, ohne, dass sie sich beschweren würden.
  • Wenn der Ehemann stirbt, dann hat die Familie des Mannes die Entscheidungsmacht über die Kinder (kann wohnort bestimmen, können der mutter das Kind wegnehmen)
  • kein Mädchen, dass zur Schule geht, darf lange Haare haben. Alle Köpfe sind rasiert(höchstens 4 Millimeter)
  • Am linken Ringfinger befindet sich der Ehering.
  • Wenn du ein Stück Stoff um dein linkes Handgelenk gebunden hast bedeutet das, dass du eine dir nahe stehende Person verloren hast.

Braaaaaaaa Rasta !


Kommt man dem Süden Ghanas näher, so trifft man hier immer öfter auf eine ganz eigene Spezies von Ghanaern.
Bei dem Einen sorgen sie nur für Kopfschütteln und Vorurteile, bei dem Anderen kommen sie durchaus gut an, mit ihrer offenen Art, die einen oft zum schmunzeln bringt!
Die Rastas.
Man erkennt sie überwiegend an ihren Dreadlocks, an roten Augen ( durchs viele Kiffen), und natürlich an ihrer originellen Ausdrucksweise!
Allgemein ist erst mal (laut Rastaphilosophie) zu vermerken, dass wir alle zu einer großen Familie gehören, was durch Sätze, wie : „You're my sister from another mister (ausgesprochen: your ma sista from anada mista“, oder „you're my brother from another mother“ (your my broda from anada mada) deutlich gemacht werden, je nach Geschlecht.
We are all one“ ist auch ganz beliebt.
Die Rastamänner bzw. Rastafrauen sind einfach wunderbar. Dank ihres Leitspruchs „it's nice to be nice!“, den sie jeden Tag aufs Neue verwirklichen, kommt man mit ihnen ganz einfach, spontan und zwanglos in Kontakt. Sowohl die Gesprächsqualität , als auch die Gesprächsquantiät spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Stellt man sich beispielsweise mit seinem Namen vor „ My name is Annika“, kann es durchaus passieren, dass einem ein lautes „RESPECT“ zugeworfen wird. Gesprächsende. Auch Konversationen wie : „ Yeah ! Is good when you talk so that we can hear“ ( übersetzt: Yeah, es ist gut, wenn du (mit uns ) redest, damit wir hören können) sind nicht selten. Manchmal muss(te) ich mich in solchen Situationen echt zusammenreißen, um nicht laut los zu prusten! Aber da wir ja „all one“ sind möchte man seine brothers and sisters ja nicht lächerlich machen und antwortet stattdessen mit einem tiefen „Jo“, oder „Jo, Rastafara“, wahlweise auch mit einem einfachen „peace, yeah?! One love. It's all de same!“
Trifft man jemanden bekanntes oder gar einen „Bruder“/ eine „Schwester“ teilt man seine Freude dem Gegenüber und am besten allen anderen im Umkreis von ca 500 Metern mit einem laut aus-geschrienem und möglichst schrillem, angezogenem : „Braaaaaa digigiging!!!!!!“ mit. Wer kann, der klopft sich dabei auf die Brust und trommelt so wild er/sie kann (kein Scherz!).
Nicht zu vergessen die vielen Handzeichen, die man macht, wenn man sich trifft. Da muss jeder ran, egal, ob man eine Ahnung hat, was das Gegenüber da grade mit deiner Hand macht, oder nicht, aber wir überlassen das mal dem „flow“, dann klappt das schon. Am Ende, das weiß aber so gut wie jeder: fist gegen fist ( Faust gegen Faust) und dann ans Herz damit. Wenn man sich grade danach fühlt, dann kann man je nah eigenem Befinden noch ein „ Jo“ „yeah“ „peace“ „Braaaa“ „one love“ oder sonst was nettes hinzufügen.





In diesem Sinne: vivalization......peace !

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die Polizei, mein Freund und Helfer ?

Trotz der Widerstände der ghanaischen Seite, einen Text über dieses Thema in meinem Blog zu veröffentlichen, muss ich hier einfach mal etwas über die ghanaische Polizei schreiben. Wenn die Menschen über Afrika sprechen, fallen meistens Begriffe, wie: Armut, AIDS/HIV, Hunger, wenig Bildung usw. Wenn man dann mal etwas genauer überlegt, dann kommt einen auch ein ganz anderes Wort in den Sinn: Korruption.
Und genau da drüber möchte ich euch heute etwas erzählen.
Korruption, ein heikles Thema. Man muss nur die Augen aufmachen und man kann an einem Tag mindestens 1 Situation erleben, in der es Schmiergeld, oder wie ich es nenne, „Taschengeld“ für die Polizisten gibt.
Es ist so verdammt einfach, die Polizei zu bestechen, was manchmal, so muss man es ehrlich zugeben, auch ganz praktisch sein kann, aber auf der anderen Seite weiß auch jeder hier, dass man sich auf die Polizisten wenig verlassen kann, besonders, wenn kein Geld im Spiel ist.
Die meisten „Ordnungshüter“ ( ich würde jetzt gerne „alle“ schreiben, denn ich kenne ja nicht alle Polizisten, jedoch habe ich noch nie eine Ausnahme gesehen) machen sich an ihrer Arbeitsstelle einen schönen Tag. Auf dem Weg nach Wa zum Beispiel, gibt es eine Polizeisperre, neben der sich ein Platz befindet, auf dem Betten mit Matratzen stehen, die nicht nur zum kurzen Nickerchen gebraucht werden, sondern zum ganz-täglichen Schönheitsschlaf. Wenn die Herrschaften sich also nicht faul auf der Matratze räkeln, dann stehen sie am Straßenrand und sammeln sich nach Lust und Laune ein wenig Taschengeld zusammen. Einfach so.
Was ich hier schreibe, scheint vielleicht ein bisschen übertrieben zu klingen, aber ich habe mit mehreren Ghanaern über dieses Thema gesprochen und sie haben mir das leider alles bestätigt.
Hat man das Glück, an dieser Polizeisperre ungeschoren davon gekommen zu sein, ist es vor allem für die Trotrofahrer unmöglich, nach Wa rein zufahren, ohne der Polizei was in die Hand zu drücken.
Seit Jahren herrscht unter den Fahrern das Gerücht, dass man bei der Durchfahrt am besten gleich anhält und was bezahlt. Natürlich gibt man das Geld nicht so offensichtlich über, sondern versteckt es zwischen seinen Fahrzeugpapieren, oder seinem Führerschein. Ein Aufwand, denn man sich auch eigentlich sparen könnte, denn jeder weiß es.
Trotzdem, die Fahrer haben Angst, dass den Polizisten irgendwas nicht passen könnte und dann kann es ziemlich schnell ganz schön schlecht aussehen. Dann fällt der Policewoman plötzlich ein, dass man ja gar keine Tiere auf dem Dach transportieren darf, oder der Policeman findet irgendwas am Trotro nicht mehr gut genug und zack ist der Kleinbus auch schon auf der Polizeiwache und es ist den Busfahrern beinahe unmöglich, den hohen Betrag ( der natürlich auch wieder einiges an Schmiergeld beinhaltet) zu bezahlen. Da sind sie skrupellos und alle unter einer Decke. Dabei ist der Job des Polizisten hier gar nicht schlecht bezahlt. Ca 700 Cedis ( 350 Euro) bekommen diese im Monat. Für ghanaische Verhältnisse gar nicht schlecht. Trotzdem nehmen sie den Menschen ihres Landes immer wieder das Geld aus den Taschen, weil sie wissen, dass sie durch ihre Arbeit einen gewissen Status haben.
So wie die Busfahrer also glauben, sie müssten jedes Mal bei der Polizeisperre anhalten und einen Cedi abdrücken, glauben die Polizisten, dass sie etwas Besseres sind und sich so einiges erlauben können. Mal ein paar stories:
Wenn Franziska und ich mit dem Motorrad die Polizeisperre passieren, werden wir jedes Mal angehalten. Aber nicht, weil wir keine Helme tragen, unseren Führerschein nicht dabei haben, oder wir keinen blassen Schimmer haben, wo sich die Motopapiere befinden, nein, wir werden angehalten, weil die Polizei unsere Telefonnummern haben will, oder dämliche Sprüche, wie „wenn du in dein Land gehst (sie wissen also noch nicht mal, wo wir herkommen) , dann nimmst du mich mit!“ oder „ My wife wann heiraten wir denn endlich“. Solche arroganten Bemerkungen strengen einen echt an. Wenn man dann mal kontert, mit seinem pseudo- Ehering in deren Gesichtern herumfuchtelt, oder ihnen mal zu Abwechslung nicht den Namen, den Wohnort oder die Telefonnummer sagt, dann verstehen sie die Welt nicht mehr und es fallen Sätze, wie „ aber ich bin doch ein Polizist ( du musst mir das doch geben)!“
In solchen Situationen wird mir immer wieder klar, wieso die Ghanaer ihre Polizisten nicht ernst nehmen. „Die einzigen, die hier für Ruhe sorgen können sind die Soldaten. Auf die Polizei hört doch keiner“. Oftmals werden sie belächelt. Zahlen muss man trotzdem.
Eine andere Geschichte, die mir ein Nachbar erzählte:
Ein Mann passiert mit seinem Taxi die Polizeisperre. Der Polizist hält ihn an, verlangt 30 Cedi von ihm. Der Fahrer hat aber keine 30 Cedi. Er sucht sein ganzes Geld zusammen und kommt auf rund 15 Cedis, die er dem Polizisten anbietet. Der will aber nicht 15, sonder 30 und droht damit, wenn er sie nicht bekomme, dann müsse der Mann sein Auto stehen lassen. Weil der Fahrer aber wirklich keine 30 Cedi hat, entschließt er sich dazu, sein Fahrzeug an der Polizeisperre zu lassen und in die Stadt zu laufen. Am Ende des Tages kommt er wieder zurück. Der Polizist fragt ihn, ob er jetzt die 30 Cedis zusammen hat. Daraufhin der Taxifahrer „ du wolltest die 15 Cedis, die ich hatte nicht haben, ich kann auch nicht einfach aus 15 30 machen. Ich habe also mein Auto hier gelassen, bin in die Stadt gegangen, habe meine Sachen erledigt und nun habe ich 1 Cedi übrig!“. Und weil der Polizist das nicht auf sich sitzen lassen wollte, verlangte er lächerlicher weise noch den letzten Cedi des Mannes.
Eine dritte Sache:
Im April kam Stinas Familie zu Besuch nach Ghana und ich durfte für eine Woche mit durch den Süden touren. Es wurde ein Auto gemietet und ein Fahrer dazu. Einen Nachmittag wurden wir geblitzt ( wir waren wirklich nicht sehr viel zu schnell) und die Polizei stoppte uns. Was sie sich bei dem Anblick des Autos, das mit Weißen voll besetzt war gedacht haben müssen, dass kann sich auch wohl jeder denken.
Die Strafe, die ein Ghanaer eigentlich bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung dieser Art bezahlen muss , muss so zwischen 10-15 cedi liegen. Da der Jeep aber voll mit den „reichen“ Weißen war, stieg der Preis gleich mal auf satte 300 Cedis an. 300 Cedis, oder der Fahrer wandert ins Gefängnis, oder zumindest auf der Polizeiwache. Unglaublich. Das wäre auf jeden Fall n ziemlich sattes Taschengeld für die Polizisten gewesen. Nach langer Diskussion und hin und her konnte die Herrschaften doch noch ein wenig gnädig gestimmt werden und letztendlich wurden 50 Cedis übergeben. Viel zu viel, aber weil man in solchen Momenten einfach machtlos ist, muss man sooft klein bei geben, auch wenn alle Beteiligten wissen, dass das, was grade passiert, nicht richtig ist. Unser Fahrer erklärte uns später auch noch, wieso er seinen originalen Führerschein nie zur Kontrolle an die Polizei weitergibt, sondern immer nur eine Kopie. Die Polizei geht nämlich so weit, dass sie vorgibt, sich den Führerschein ansehen zu wollen und ihn dann einkassiert, um ein Druckmittel zu haben, um das zu bekommen, was sie wollen.
Meine vierte und letzte Geschichte, die einen nur zum Kopfschütteln zwingt:
Hier in Ghana gibt es vor allem auf den abgelegenen Straßen und eher Nachts, also Tags immer wieder Raubüberfälle. In einer Nacht wurde also mal wieder ein Bus überfallen und ausgeraubt. Die Busgesellschaft meldete sich beim Militär, um ein paar Soldaten zu verständigen (weil auf die Polizei nicht so wirklich Verlass ist). Diese kümmerten sich auch darum und trafen zeitig an dem Ort des Geschehens ein, nahmen alle Hinweise entgegen, versuchten die Diebe zu stellen und machten sich währenddessen daran, die umliegenden Polizeisperren zu informieren, welches Auto sie anhalten sollten, um die Diebe zu fangen. Tatsächlich passierten die Diebe mit dem Auto eine der Polizeisperren. Die Polizei hielt dieses auch an, jedoch gab es wohl eine dicke Summe Schmiergeld und somit ließen die Polizisten die Diebe einfach weiterfahren. Ohne irgendwas zu machen. Keine Strafe, keine Festnahme. Als die Soldaten, die zu dieser Zeit im Einsatz waren dies mitbekamen gab es ein heiden Theater. Ich für meinen Teil kann die Soldaten wirklich gut verstehen. Wie kann jemand, der es zur Aufgabe hat, seinem Land und seinen Leuten zu helfen, für Ordnung und Gerechtigkeit einzusetzen , so bestechlich sein?!

Dienstag, 12. April 2011

Auf ins Paradies!

Wir Mädels waren im Urlaub....ja, endlich hatten wir es geschafft, mal in den Süden zu kommen.
Wir waren in Accra ( der Hauptstadt), in Cape Coast und Butre:
Hummer =)

ich und Stina am vermüllten Strand von Accra

Trommelstunde mit Martin

Kochtöpfe

unser einziger Ein- und Ausweg zur Lodge in Butre


Blick auf den Regenwald am Strand vor der Lodge 

auch in Butre wurde wieder getrommelt


Slums am Strand in Accra



unsere Sandburg



rechts: unser Boot wartet, um uns auf dem Fluss durch den Regenwald zu führen




Cape Coast Castle (hinter einer riesen Stahltür tat sich dieses Bild auf )...

Fischernetze so weit das Auge reicht
Kokosnussschlürfen in Butre


Dienstag, 5. April 2011

take it easy !

Ein Text über die afrikanische Gelassenheit: auf unserer Hinreise sind wir mit einem Kleinbus gefahren. Auf dem Weg haben wir zwischendurch immer noch Menschen eingesammelt. Man kann also am Straßenrand stehen und die Busse ran winken. Da stand also eine Frau mit Kind auf dem Rücken am Straßenrand. Gepäck hatte sie auch dabei. Unser Taxifahrer war ein bisschen zu schnell unterwegs und musste, weil er die Frau erst übersehen hatte, wieder ein paar Meter zurück fahren. Dabei übersah er den Koffer der Frau und fuhr mit dem ganzen Bus drüber. Aber anstatt sich aufzuregen oder herum zu schreien schmunzelte die Frau nur. Die Menschen im Bus fassten sich an die Köpfe, wie der Busfahrer das jetzt schon wieder hinbekommen hat und gut war die Sache. Die Menschen nahmen es mit Humor. Und auch als der Koffer der Frau etwas gequetscht aussah, machte sie keinen Ärger. Das liebe ich so an Ghana. Die Menschen hier können sich sehr gut selbst auf die Schippe nehmen und versuchen selbst aus solchen Situationen das Positive raus zuziehen, denn stellt euch mal vor, es wäre das Kind gewesen, über das das Trotro drüber fuhr?!...da ist der Koffer ja nur halb so schlimm ;).
Es macht auch nichts, wenn man mal zwischen 5 und 6 Stunden darauf wartet, dass der Bus endlich losfährt. Man kann sich ja anders beschäftigen. Zum Beispiel kann man sich mit seinen Nachbarn übers Wetter unterhalten, mit der Frau, die Brot verkauft über Namen diskutieren oder dem Eisverkäufer seine Lebensgeschichte erzählen. Da gibt es viele Möglichkeiten. Und wenn es dann nach ca 6 Stunden warten endlich losgeht, dann muss der Bus erst mal noch tanken. Aber solange im Bus währenddessen auf voller Lautstärke Bob Marley läuft und dabei ein Untermieter im Gang steht, der irgendein flüssiges, grünes Zeug aus Reagenzgläsern verkauft, hält man den Zwischenstopp auch noch aus!
Man sieht, es geht hier in Ghana nicht nur ums Warten und geduldig sein, sondern auch darum, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.
Auch wenn man mit dem Bus fährt und der Kofferraum ( der natürlich von Anfang an schon nicht mehr richtig schließen kann) bei voller Fahrt plötzlich aufgeht und dein Gepäck auf die Straße fällt, dann bin ich mittlerweile selbst froh, dass es nicht die Hinterbank war, auf der ich saß, sondern nur die Tasche aus dem Kofferraum. Ja, denn bei den Bussen hier muss man jedes Mal sowieso sehr froh sein, wenn man die Fahrt heile überlebt. Deswegen wunders es mich mittlerweile auch nicht mehr, wenn sich am Anfang der Fahrt oft jemand findet, der ein Stoßgebet an den lieben Gott betet und alle im Bus laut „AMEN!“ rufen. Wenn man dann beim Beten den Kopf senkt, dann weiß man auch ganz genau, warum und weshalb man das grade tut, denn schaut man auf den Boden, so wird einem doch prompt immer wieder bewusst, wie heikel die Situation werden kann. Wieso? Naja, wenn ich bei der Fahrt zu meinen Füßen gucke und den Straßenboden sehe, da der Boden des Busses nicht mehr ganz so neu ist, oder wenn ich mich an dem Vordersitz festkrallen muss, damit mein Klappsitz, den ich mir mit meinem Nachbarn teile fast aus den Fugen bricht, oder meine Füße, die ich auf dem heißgelaufenen Motor abstellen muss, in den billig Flipflops fast verbrennen und ich alle 2 Minuten meine Fußstellung wechseln muss , damit ich keine Brandblasen bekomme, oder der Bus einen leichten Rechtstick hat, weil er auf dem linken Vorderrad auf der Felge fährt.....ach, da könnte ich euch noch eine Menge aufzählen. Jedenfalls braucht man für solche Fahrten, die man beinahe täglich macht, viel Gelassenheit, das könnt ihr mir glauben!
Oft klappt hier auch einiges nicht so,wie man es sich vorgestellt hat. Ich war grade kurz davor ( geplant hat ) zu schreiben, aber „planen“, das Wort nehme ich schon lange nicht mehr in den Mund, weil dieses Wort für Menschen hier sozusagen ein Fremdwort ist. Ich stelle mir zum Beispiel vor ( weil ich ja nicht plane) , ich wollte heute gerne nach Wa fahren, um Geld von meinem Konto abzuholen. Ich stehe also früh, gegen 5 auf, um das erste Trotro zu bekommen, was so zwischen 6 und 7 kommt, manchmal auch 8. Eigentlich. Leider sitze ich bis 9 an der Station, was eigentlich ziemlich unnatürlich ist und treffe jede Menge Menschen, die mich einladen, nochmal eben dahin oder dorthin mitzukommen. Da man ja nicht unhöflich sein will, verlässt man also widerwillig nach 3 Stündiger Wartezeit die Station und folgt dem oder der neuen Bekannten, wobei man bemerkt, das natürlich genau in diesem Moment der Bus an der Station hält! „jetzt ist auch zu spät“, denkt man sich und reißt sich innerlich zusammen, sich nicht so zu ärgern, dass es fürs Gegenüber offensichtlich wird, denn das wäre die schlimmste Sache, die man machen könnte. Ich gehe also mit. Wohin mich meine Reise führt? Na klar doch! Zur Hairdresserin ….super^^. Ich verpasse also meinen langersehnten Bus, um beim Friseur zu landen, der mir zu Guter Letzt auch noch Rastazöpfe flechten will, für die man ca 4-6 Stunden braucht. Ich lehne höflich ab, denn dafür habe ich um Gottes willen nun wirklich keine Zeit. Trotzdem darf ich nicht eher gehen, ohne zu versprechen, so schnell wie möglich wieder zu kommen, obwohl ich nie davon geredet habe, mir Rastazöpfe flechten lassen zu wollen. Aber ich muss es versprechen und dabei ist es der freundlichen und leicht penetranten Frau auch völlig egal, was ich eigentlich will. Es zählt also mein Versprechen, sonst, so weiß ich es mittlerweile aus Erfahrung, gibt es Ärger, denn mit so was nehmen es die Ghanaer ganz genau!Es geht also zurück zur Station und glücklicher weise findet sich schnell ein Bus( natürlich nicht ohne die oben genannten Merkmale aufzuweisen), der mich um 10 Uhr nun endlich nach Wa bringt. Und als ob ich nicht schon genug Zeit gebraucht hätte, bin ich auch noch an einen besonders altersschwachen Bus geraten, was mir nach ca 5 Minuten Fahrt im Schritttempo bewusst wird. Na das kann ja was werden. Zum Glück ist mein Sitznachbar sehr gesprächig und textet mich ununterbrochen zu, will mich am Ende sogar heiraten und erst recht meine Nummer haben. Das kennen wir schon und ich weiß mich geschickt aus der Situation zu retten indem ich meine linke Hand hebe, an der sich an meinem Ringfinger ein „Ehering“ befindet. Damit fuchtle ich dem gut 40 Jahre älteren, potentiellen Ehemann so lange im Gesicht rum und schüttle dabei den Kopf, bis die Menschen im Bus anfangen zu schmunzeln und eine Diskussion auf Dagaare entfacht, die natürlich über mich ist, die ich aber leider nicht verstehe. Ich lächle höflich, bin innerlich aber auf 180. Bitte, bitte, lass uns bald in Wa sein!
Angekommen in Wa laufe ich geradewegs zur Bank, denn ganz eigentlich muss ich um 12 schon wieder in Nadowli sein, was eigentlich unmöglich ist. Aber weil mich in diesem Moment eh nix mehr unter Druck setzten kann, bin ich ruhig Blut und schlendere zur Bank anstatt zu rennen, denn schwitzen tue ich eh schon genug.
Vor dem Geldautomaten natürlich wieder das altbewährte Problemchen: ES kommt kein Geld! Und was macht man da? Nix- abwarten. Kenne ich ja schon. Nach einer weiteren halben Stunde kommt endlich ein Bankangestellter und rettet mich aus meiner Situation. Ich fahre wieder nach Hause. Diesmal geht es sogar ziemlich schnell und mein Transportmittel weist wenig Mängel auf, abgesehen von der Bustür, die man von innen nicht öffnen kann und die man in die Fuge drücken muss, damit diese nicht raus fällt.
Ein kurzer Zwischenfall noch: da der Bus zu voll ist, muss einer der Passagiere mit dem Busdach vorlieb nehmen, doch dann kann es los gehen.
Auf halber Strecke bleibt der Bus stehen....was ist denn jetzt schon wieder?!
Wir müssen umsteigen, denn nichts geht mehr. Auch das kann schon mal passieren und alle in diesem Bus wissen genau: take it easy, denn ankommen wirst du schon irgendwie und sich zu ärgern bringt dich auch nicht weiter. Also bleiben wir alle locker und nutzen die Zeit für Gespräche und Tanzeinlagen , denn all die Geduld, die man hier übt, und auch die in unseren Augen vielleicht oftmals „verlorene Zeit“, ist ein Geschenk, auch wenn man als Europäer oftmals erst davon überzeugt werden muss.

Dienstag, 15. Februar 2011

Wusstet ihr schon….


  • .-          dass bei 43,9°C das Fieberthermometer aufgibt
  • -          dass ich zum Duschen erstmal einen 17 Kilo Eimer zum Klohaus schleppen muss
  • -          ich schon mal mehr als eine Woche ohne fließend Wasser/ Wasser ausgekommen bin
  • -          dass ich Motorrad fahre
  • -          wusstet ihr schon, dass ich Fufu (lokales Essen) stampfen kann
  • -          dass ich meine Sachen in Blechschüsseln wasche
  • -          oder das mir letztens eine widerliche, giftige Spinne namens „Yayu“ beim Schlaf über meinen Kopf gelaufen ist
  • -          dass ich öfters mal Parasiten in mir züchte
  • -          dass ich meinen alten Spitznamen „KA“ auch in Afrika weiterführe du noch weitere, wie „water is life“ oder „Kakao“ dazugekommen sind
  • -          dass in meinem Hof ein Mangobaum steht
  • -          dass ich, wenn ich morgens aus dem Fenster schaue Lehmhäuser sehe
  • -          dass ich schon Monate keine festen Schuhe mehr anhatte (mit 2 Ausnahmen)
  • -          dass ich zum nächsten Geldautomaten eine Stunde fahren muss
  • -          dass ich meine Zähne und mich unter freiem Himmel wasche
  • -          dass meine Nachbarn ganz nett sind und Stockbrot mögen
  • -          dass ich auf Steinboden pinkeln muss
  • -          dass die Grundschule für ein Kind hier umgerechnet ca 75 Cent kostet (für 3 Monate) die Frauen hier aber an 10 verkauften Brote grade mal 50 Cent verdienen
  • -          dass ich schon mindestens 20-30 potentielle Ehemänner habe
  • -          dass ich keinen Fernseher, kein Radio und kein Internet im Haus habe
  • -          dass wir auf offenem Feuer kochen
  • -          dass einem die Kinder immer alles aus den Händen reißen, um dir beim tragen zu helfen
  • -          dass ein halber Liter Wasser 2,5 Cent kostet
  • -          dass ich mit Kohlensäure nicht mehr so gut klarkomme
  • -          dass ich schon mal ganze 4 Tage nichts gegessen habe
  • -          dass man sich hier maßgeschneiderte Kleider inklusive Stoff ab 3-4 Euro machen lassen kann
  • -          dass ich fast blond bin
  • -          dass ich keine Probleme habe mehrere Nächte auf dem Boden, bei voller Lautstärke und überall zu schlafen
  • -          dass ich den Schwanz eines 3 Meter langen  Krokodils hochgehoben und festgehalten habe und immer noch lebe ;)
  • -          dass ich fast blond bin
  • -          dass man als weißer (Nassala) nicht 50 Meter gehen kann, ohne angesprochen zu werden
  • -          dass mir meine Arbeit mit den Waisenkindern unglaublich viel Spaß macht
  • -          dass es nur 4 weiße (inkl. Franzi und mir) in meiner Stadt gibt
  • -          dass ich mit einem der Hausmädchen immer Sojamilch mache
  • -          dass Christian und ich einen dritten ghanaischen „Zwilling“ haben
  • -          dass mich beim schreiben dieses Eintrags Fliegen nerven
  • -          dass ich gesehen habe, wie ein Hund zum Essen getötet wurde und ein Schwein und Ziegen und Hühner
  • -          dass ich Schweinegedärme und Reste aus einem Riesen Blechtopf überm Feuer esse,  es mich nicht stört und sogar lecker finde
  • -          dass wir im Familienhaus 6 Wachhunde haben
  • -          dass ich Dinge ohne festhalten auf dem Kopf tragen kann
  • -          dass Noah rückwärts krabbelt
  • -          dass es hier viele schlechte, aber auch genauso viele gute Zeiten gibt
  • -          dass meine Muttermale ein Zeichen für afrikanisches Blut in meinen Adern sind
  • -          dass jeder eine Aloeverapflanze in seinem Zimmer haben sollte
  • -          dass ich euch vermisse ( und ihr mich auch?!)
  • -          dass ich schon bald wiederkomme